Fleischkäse – einfach und lecker selbstgemacht

Am Wochenende habe ich endlich einen lang gehegten Plan umgesetzt. Ich wollte unbedingt mal einen Fleischkäse selber machen. Ich liebe Fleischkäse, aber nur guten und schon gar nicht den Industriellen, den es im Supermarkt abgepackt zu kaufen gibt. Einen Fleischkäse, der ofenwarm ist und bei dem nach einem Bissen der warme Fleischkäsesaft sich in den Mundwinkeln ansammelt und Gefahr läuft, am Kinn runterzulaufen.
Fleischkäse.jpg
So einen Fleischkäse gibt es heute leider selten. Zuletzt habe ich einen wirklich leckeren Fleischkäse bei einem Metzger in meinem ehemaligen Stadtteil in Düsseldorf gegessen. Dort in Oberbilk, dem multikulturellsten und stark marokkanisch angehauchten Stadtteil, inmitten von Shihacafes, marokkanischen Bäckereien und dem Duft von ganzen Ballen Minze, ist eine deutsche Metzgerei „Udo König“ versteckt. Bei einem der Gespräche sagte mir der Chef, daß er nur noch einer von fünf Metzgern in Düsseldorf wäre, der alles (bis auf Mailänder Salami) selber herstellen würde. Paar wenige Produkte treffen zwar nicht ganz meinen Geschmack, aber viele Wurstprodukte, Wild etc. sind einfach herrlich. Und genauso einen Fleischkäse wie es ihn dort gibt wollte ich nun selber machen.Eine Entscheidung mußte ich noch treffen. Sollte ich für den Fleischkäse Pökelsalz oder normales Salz verwenden? Der Vorteil von Pökelsalz ist, dass das Fleisch rosafarben wird und eine schöne rote Kruste bekommt. Der Nachteil ist aber, dass beim Backen  aus dem Pökelsalz das weniger schöne Nitrit entsteht.

Ich entschied mich pro Pökelsalz, da ich das Essen ja noch meiner Familie „verkaufen“ musste. Ohne Pökelsalz soll das Resultat eher gräulich aussehen.

Neben dem langgehegten Plan einen leckeren Fleischkäse zu machen, hatte ich noch eine spienzige Idee. Ich wollte ein eigenes Bier brauen. Ich liebe das Düsseldorfer Altbier der Hausbrauereien, aber so ein leckers selbstgebrautes Bier mit Koriandergeschmack hat schon was, zumindest in meiner Vorstellung. Dazu habe ich im letzten Jahr sogar auch die wenigen Utensilien, die man dazu benötigt, wie einen großen Kochtopf, Trichter und Lebensmittelschläuche und, wichtig, auch leere Bügelflaschen zusammengetragen. Aber wie es Plänen meist so endet, irgendwann war beim Sammeln der Herbst und der  Oktober vorbei und es war zu spät, um sich Hopfen & Malz zu besorgen.

Gleichzeitig folge ich auch Lothar von bierblogg und langsam wuchs die Erkenntnis, dass ich kein Bier selber brauen muss, sondern dass es mittlerweile genug leckeres Bier in Form von Craft Beer fern der schlechten Mainstream Massenbiere  gibt.

Nach einem Besuch der Spritterei in Flingern, die sich auf Craft Beer spezialisiert hat und unter fachkundiger Beratung, habe ich mich für zwei verschiedene Bier für dem Abend entschieden:

  • ein malzigeres Dead Guy Ale für meine Frau
  • ein Kernig Helles für mich
  • für den Sohn gab es handelsübliches Malzbier

Zutaten für 8 Personen oder auf Vorrat
300 gr. Crushed Eis
1 Kg Schweineschulter
200 Gr. sehnenfreies Rindfleisch
20 Gr. Pökelsalz
Weißen Pfeffer
Macis Gewürz nach Belieben

Schritte
Zuerst nimmt man das Fleisch und dreht es durch den Fleischwolf, oder benutzt einen Cutter oder Thermomix.für 30 Sekunden.

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Im Anschluß wird das Fleisch mit dem Pökelsalz  vermischt und man stellt alles für ca. 30 Minuten in den Tiefkühlschrank. Das Fleisch sollte richtig kalt und kurz vor dem Anfrieren sein.

Dann braucht Ihr man einen guten Mixer oder wieder den Thermomix. Zuerst muss das Eis verkleinert werden. Das Crushed Eis beiseite stellen. Die Fleischmasse aus dem Kühlschrank nehmen, kleine Portionen immer mit Eis vermengen und im Mixer alles durch gut durchmixen. Die Fleischmasse muss sehr sämig werden. Mein Standmixer hat das nicht ganz so gut geschafft, weshalb die Masse etwas grober ausfiel. Das schadet dem Geschmack aber überhaupt nicht. Leider konnte ich mit meinen Arbeitshänden hierzu kein Bild machen.

Fleischkäse Rohmasse.jpgWenn alles Fleisch und Eis durchgemixt ist, dann die Gewürze hinzugeben und nochmals alles gut mit den Händen durchmengen (kühl bis kalt). Zur Geschmacksprobe könnt Ihr ein bisschen Fleischmasse in der Pfanne anbraten und bei Bedarf nachwürzen. Achtung, nicht alles anbraten und aufessen!

So, jetzt ist eigentlich schon alles fertig. Die Fleischmasse in eine vorgefettete Form geben und ein Muster einschneiden.

Jetzt muss der Fleischkäse nur noch für 1 1/2 Stunden in den Ofen bei 160°C gestellt werden. Der Kern sollte dabei gegen Ende  71°C erreichen.
Den Fleischkäse aus den Ofen nehmen, bisschen abkühlen lassen. Bei uns gab es Bratkartoffeln und Krautsalat dazu. Laßt es Euch schmecken. Wir haben uns alle drüber her gestürzt.

Fleischkäse ausgebacken.jpg

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6 Gedanken zu “Fleischkäse – einfach und lecker selbstgemacht

  1. Als erstes bedanke ich mich für die Erwähnung. Aber du machst mir auch Appetit. Wie haben dir die Biere geschmeckt?

  2. Die Biere waren feinperlig und mild im Geschmack. Der Kernig Hell war natürlich um einiges hopfiger und hatte einen eigenen Charakter. Das Dead Guy Ale war dagegen bekömmlicher. Meine Frau trinkt sonst kein Bier, aber das ging gut.

  3. Sauber! Als Kind hatte mir meine Mutter mal (industriellen) Fleischkäse vorgesetzt, so mit dem ganzen Malarki, Spiegelei, Spinat, Ketchup, was Muttis eben so meinen, dass es ihren Kindern schmecken müsste. Bei mir hatte der Genuss dieser Köstlichkeit ein Wettrennen mit meinem nach oben drängenden Mageninhalt Richtung Toilette zur Folge, mit dem Resultat, dass ich die nächsten 50 Jahre Fleischkäse gemieden habe, wie der Teufel das Weihwasser! Mit Deinem Beitrag haste es allerdings geschafft, dass ich demnächst mal wieder einen gestandnen Fleischkäs probieren werde!

    1. Ich wurde direkt nach Wiederholung gefragt, … es lohnt sich also.
      Ein ähnliches Erlebnis (aber nicht industriell) hatte ich mit Saumagen, dem Leibgericht unseres damalig beleibten Bundeskanzlers. Da hatte ich aber eine Debatte am Hals.

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