Tafelsilber

Lange habe ich gebraucht, bis ich das Tafelsilber aufgesucht, lange habe ich überlegt, was ich zu dem Erstbesuch berichten soll.

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Vorab, meine Frau und ich haben gut gegessen. Aber nach dem Besuch im Tafelsilber wußte ich nicht genau, wofür das Tafelsilber steht, was das Konzept ist. Ich habe nochmals auf der Webseite nachgelesen:

„Gehen Sie mit unserem Küchenchef auf kulinarische und sinnliche Entdeckungsreise. Denn Köstlichkeit ist keine Zauberei, sondern das Zusammenspiel von regionalen und internationalen marktfrischen Zutaten mit professionellen Küchen-Equipment und einem kreativen Küchenteam. Erwarten Sie Sensationen für Gaumen und Augen. Die Bar ist kommunikativer Treffpunkt des Tafelsilbers. Ein frisch gezapftes Uerige, leckeres Krombacher, erlesene Weine und Cocktails in stylischem Ambiente – es gibt Abende, da darf es nicht weniger sein als das Beste.“

— Oha, wenn das mal nicht eine Ansage mit selbstauferlegter, hoher Messlatte ist. — Zurück zur Realität. Es gibt drei Karten, die Standardkarte, die Weinkarte und die Abendkarte (Saisonkarte). Obwohl ich meist mir Unbekanntes esse und mich gerne überraschen lasse, hat mich von der Tageskarte aber auch gar nichts gereizt. Zu normal und uninspirierend klangen die Gerichte. Die Standardkarte beinhaltete die Rubriken Salate, zwei Suppen, Pasta, Steaks und Desserts. Außer den Pastasaucen erkenne ich bei den Gerichten keinerlei Ansprüche an die Kochkünste, lediglich die Grundzutaten sollten gut sein.

Dann ging es los. Es kam als Begrüßung, nein nicht frittierte Sojabohnen oder gänzlich aromatische Bereicherungen, sondern Brot, Butter, Salz, Olivenpaste. Von der Karte haben wir eine Kokos-Linsensuppe mit einer Frühlingsrolle und Schmorkürbissuppe mit einer Ziegenfrischkäse-Frühlingsrolle gewählt.

Danach je ein irisches Flap-Steak und Rib-Eye vom Niederrhein. Mit 24,50€ und 22,50€ finde ich dieses normal bepreist. Dazu konnte man sich eine Sauce (argentisch) und eine Beilage (Wildkräutersalat)auswählen. Beide Steaks waren toll gegrillt, mein Rip-Eye an einer Hälfte ein bisschen zäh, die andere Hälfte wunderbar zart. Das Flap-Steak war rundum gut. Der Wildkräutersalat stammte dagegen aus einer Tüte und das Dressing war ganz gewöhnlich.

Die Weinkarte ist ganz gut, hier werden bekannte und vernünftige Weine gelistet, die ein bestimmtes Preisniveau nicht übersteigen. Als Weißweintrinker hatten wir eine Flasche Aufwind von Hensel für 25,90€.

Angenehm fand ich die Tische und die gemütlichen Stühle. Der Service war zurückhaltend. Das bedeutet, die Essens- und Getränkebestellung wird zügig aufgenommen, aber nach dem Servieren wird man auch in Ruhe gelassen. Dass das Nachgießen des Weines unterbleibt, finde ich angenehm, dass der Tisch teils nicht abgeräumt wird, finde ich weniger angenehm.

Eine Cocktailkarte bekamen wir auf Nachfrage nicht überreicht, wurden aber nett und kompetent beraten. Insgesamt war es ein entspannter Abend im Tafelsilber bei sehr bunt gemischtem Publikum und netter Atmosphäre. Das Essen hat auch trotz der Kritik gut geschmeckt. Gerne kommen wir wieder.

Für Preis-Leistung würde ich vier Sterne vergeben. Würde ich allerdings die Werbeaussage des Tafelsilbers als Grundlage meiner Bewertung nehmen, so würden es nur zwei Sterne sein. Das Tafelsilber spricht den Massengeschmack an, ohne geschmacklich bleibende Akzente zu setzen.

P.S.: Bilder habe ich dieses Mal leider nicht gemacht, werde aber welche nachliefern. Info: Schlüterstraße 10, 40235 Düsseldorf, http://www.tafelsilber.tv/

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2 Gedanken zu “Tafelsilber

  1. Da hat der Copywriter einfach etwas zu tief in die Wortkiste der Banalitäten gegriffen … Wenn ich „kulinarische und sinnliche Entdeckungsreise“, lese dreht sich mir bereits der Magen um.

  2. Ja, dabei hätten Sie diese Werbeaussagen gar nicht nötig gehabt, Der Laden ist gut, trendy, von Frühstück bis Abendessen, aber nicht so wie selbst dargestellt.

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