Lambrusco – meine persönliche Wiederentdeckung 2014

Was fühlst Du, wenn Du das Wort Lambrusco hörst oder liest?

Abruptes Unwohlsein, körperlichen Widerstand, das Gefühl von einsetzenden Kopfschmerzen?
Zumindest das wären meine Eindrücke gewesen, hätte ich dieses vor einigen Jahren noch gehört. Heute rede ich aber ganz anders über diesen Wein mit Suchtpotential.

Zuerst möchte ich noch eine kleine Anekdote erzählen:

Ich habe das Glück, dass ich mitten im Biertrinkerland vom Niederrhein mit einer Weintrinkerin verheiratet bin. Hauptsächlich trinken wir Weiß- oder Roseweine. Rotwein trinken wir wenig und wenn, dann nur ich. Nun waren wir auf der Rolltreppe zum  „Frischcenter Zurheide“ (Edeka), der unumstritten der beste, wenn nicht gar der allerbeste Supermarkt in Deutschland ist, und  diskutieren gerade über den bevorstehenden Besuch des Wein-Humidors. Dabei erörterte sie mir so nebenbei, dass sie damals in der Jugend (als sie Wein noch nicht für sich entdeckt hatte) eigentlich nur Lambrusco als Rotwein getrunken hatte. Kaum ausgesprochen war der Beschluss schon gefasst. Wir erkundigen uns dort im Humidor nach L a m b r u s c o !!!

Jetzt muss ich aber noch mal etwas zum Zurheide erzählen. Der Edeka Zurheide ist nicht nur irgendein gewöhnlicher baulicher Schuhkasten mit laufenden Regalmetern drin, nein, sondern der Edeka Zurheide ist ein gewöhnlicher baulicher Schuhkasten, aber drinnen tut sich eine der verführerischsten Verkaufswelten auf, mit verlockenen Käsemärkten, einer Schatzkammer für bestes Fleisch, Grillständen, Pastaständen, die die Nudeln frisch herstellen, Gourmetrestaurants, die im Supermarkt integriert sind, einem eigenen Torrone-Regal und vielem mehr. Hätte Zurheide noch ein Ferienbungalow mit Pool, ich würde dort glatt unseren Urlaub buchen.
So enterten wir den Humidor, griffen uns eine geballte Weinberatungskompetenz und fragten nach einem Lambrusco. Ich merkte, wie der freundlich bleibende Mitarbeiter sich insgeheim dachte, dass es gut sei, daß Zurheide nicht auch noch Ferienbungalows mit Pool anbietet, damit nicht solche Leute wie wir dort verkehren, und beantwortete uns die Frage mit der größtmöglichen Restetikette und mit einem höflichen aber bestimmenden „Nein“!

Fündig sind wir dann doch noch geworden, nämlich im uns nächst gelegenstem Ort in der „Gisella’s Bottega“, einem Feinkostitaliener

Gisellas Bottega, die selber einen eigenen Blogeintrag verdient hat, vermarktet den Lambrusco unter eigenem Namen. Stammen tut der Wein von einem der besten Weingüter aus der Emilia Romagna, der Cantina Gualtieri, unweit der Städte Parma und Modena. Da die Cantina Gualtieri nahe der Stadt Brescello liegt, die als Filmkulisse für die Don Camilllo und Peppone Filme diente, zieren deren Köpfe auch die drei Geschmacksrichtungen trocken (secco), halbtrocken (amabile) und lieblich (dolce).

Man muss dabei nicht unbedingt zum trockenen Lambrusco greifen, wie Drunkenmonday in seinem Blogbeitrag Weg mit den Vorurteilen: Sauft mehr Lambrusco geschrieben hat, Ich finde, daß auch gerade halbtrockene und lieblichere Weine gut schmecken können.

Der Wein hat eine schöne, rubinrote Farbe und schmeckt herrlich nach viel Waldfrucht und roten Früchten.

Da zumindest der liebliche Lambrusco mit 8% recht wenig Alkohol hat und der Lambrusco zu den Perlweinen zählt, wird er zuvor im Kühlschrank kurz gekühlt (14 – 15°). Auch gerade deswegen ist der Lambrusco ein toller Sommerwein und passt gut zu Gegrilltem oder einfach mal als Terrassenwein.

Gisella‘ Bottega empfiehlt ihn ferner zu: Obsttorten, Blätterteig-Salzgebäck, Pizza, Pasta, kurz gereiften Wust/und Käsespezialitäten und für Zwischendurch als Aperitif.

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8 Gedanken zu “Lambrusco – meine persönliche Wiederentdeckung 2014

  1. Bisher dachte ich immer, Du hättest Wein schon mit der Muttermilch
    aufgesogen. 😉

    Ich trinke beides. Bier und Wein. Und sowohl beim Wein, als auch beim Bier
    trinke ich, was mir schmeckt, unabhängig von (großen) Namen. Einzige Ausnahme: Weine aus Italien. Da bevorzuge ich die Weine der Familie
    Lo Franco, von der Fattoria la Vialla.

    1. Wenn man aus der deutschen Hauptstadt des Weins kommt, fällt man durchaus mal als Junge in ein Fass. Und das Alt ist ja auch der Champagner Düsseldorfs.
      Aber Lambrusco stand schon lange nicht mehr auf Tisch, zu unrecht.

  2. Tatsaechlich ist Lambrusco Frizzante in der Emilia schon immer „secco*“ gewesen – niemals suess oder halbsuess. Die suessen Varianten (7/8% Alk.) wurden eigens fuer den US Markt in den 70er Jahre erfunden und dann leider in DE und auf der ganzen Welt als „echter Lambrusco von Emilia“ verkauft. (* = bis zu max. 15g/l Zucker)

    1. Hallo, vielen Dank für die guten, zusätzlichen Infos. Ich werde jetzt auch bewußt die trockenen Lambruscos trinken, trinken wir sonst auch vorwiegend trocken oder feinherb. Als leicht gekühlter „Terrassenwein“ in wärmeren Sommerabenden war aber insbesondere der amabili ein guter Begleiter.

  3. Alle echten Lambruscos haben einen Mindestalkohol von 11% und wurden von mindestens 85% Lambrusco (z.B. Salamino, Grasparossa, Maestri, Marani, Sorbara, Montericco, etc.) hergestellt: Lambrusco Ancestrale, Lambrusco Frizzante Secco (rot oder rose‘, niemals weiss), Lambrusco Spumante (charmat oder metodo classico). Weniger als 85% Lambrusco = Vino Frizzante.

  4. Man sollte nicht von trockenem Lambrusco sprechen, da 10 oder 11 g/l sugar kein trockener Wein ist. Richtig ist, dass ein Lambrusco Secco bis zu ca. 10g/l „trocken schmeckt“ dank der hohen Saeure. Von ca. 11 g/l an schmeckt man Suesse. Es geht also darum einen secco Produzenten zu finden, der einem am besten schmeckt. Leider ist die Auswahl in DE sehr begrenzt. Es gibt ca. 200 Lambruscoweingueter, die Lambrusco Secco herstellen. Um wirklich trockenen Lambrusco (0-1 g/l) zu trinken, muss man (echten!) Lambrusco Ancestrale kaufen. Uebrigens, nicht alle Lambruscos sind tiefrot. 100% Sorbara ist immer rose.

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