Gewöhnungen

Mein erster und bisher einziger Besuch in den USA liegt schon über zwei Dekaden zurück und war an der Pazifikküste. Seit dem hat sich viel verändert, und auch meine Erfahrungen und Eindrücke sind mit einem Erstbesucher zu vergleichen.

Es fing schon damit an, dass ich bei der Einwanderung in den Bereich ESTA – Erstbesuch musste. Gottseidank waren wir recht früh dort und standen nur zwanzig Minuten für ca. 20 Abfertigung. Paar Minuten später hätten wir hinter 200 Asiaten gestanden und uns um einen späteren Weiterflug kümmern können.

So warteten wir recht geduldig mit der ungeduldigen Menge Menschen hinter uns bei gemächlich arbeitenden drei Grenzschutzbeamten.

Also gewartet bis man uns einen Schalter zugewiesen hat, tiefgründige Fragen beantwortet, Fingerabdrücke abgegeben, aktuelles Bild machen lassen, fertig war ich für neue Erfahrungen und Eingewöhnungen.

Es gibt Gewöhnungen, die klappen automatisch, an die gewöhnt man sich gerne. Gewöhnungen, für die man etwas üben muss und Gewöhnungen, an deren ich noch arbeite •räusper•.

Zuerst mal gewöhne ich mich an den Anblick eines Wagen, den wohl so jede Familie im Fuhrpark zu haben scheint, denn er ist überall. Bisher kannte ich ihn nur aus der vielen Werbung bei den NFL Spielen.
Der Truck Ford F-150! Bestimmt das meistverkauftestr Auto in den USA, so ergab eine schnelle, nicht repräsentative Autofahrt durch Südflorida.

Aber dann gewöhnt man sich auch am Anblick der recht häufig vertretenden Minis, sogar dem Smart, der häufig hinter einem fahrenden Trailer nachgezogen wird.
Und man gewöhnt sich sogar an den hin und wieder vertretenden Fiat Cinquecento, meist in der Farbe Latte Macchiato oder Nespresso!!!
Ich hätte nie gedacht, dass dieser Wagen einen Markt in den USA hätte.

Beim Autofahren gibt es jedoch eine Regelung, bei der ich Probleme haben werde, sie mir abzugewöhnen.
Man darf hier rechts überholen, was doppelt Spass macht, weil nur sehr wenige Trucks unterwegs sind. :))

Bisschen Eingewöhnungszeit brauchte ich hier in der Servicewüste USA.
So beendet Bank of America seinen Schalterdienst um 15 Uhr und der Supermarkt macht um 21 Uhr zu.

Im Supermarkt musste ich mich auch umgewöhnen. Obwohl ich zuhause das Preisgefüge von Rewe und Edeka gewohnt bin, übertreffen die Nahrungsmittelkosten die der deutschen Supermärkte. Und dass manchmal noch erheblich.
Pari wird es erst, wenn man grosse Portionen kauft statt der haushaltsüblichen Portionen.
Also, statt einem Liter Milch nimmt man besser eine Galone (3,78l) oder statt einer Mango für $2,50 nimmt man besser zwei für gesamt $3.
Dass man in den USA übrigens eine Aversion gegen Staat und Steuern bekommt ist verständlich, da alle Preise als Nettopreise ausgewiesen werden.
An der Kasse wird dann auf jeden Betrag noch die Steuer draufgehauen (die aber zu unserer noch moderat ist).

Löblich finde ich die Auszeichnung der Waren, auch wenn ich mich vergriffen habe, und beim Frühstück mit Entsetzen feststellen muss, dass ich Analogkäse gekauft habe.

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Da die USA eine verhältnismässig sehr hohe Anzahl von Gefängnisinsassen in Relation zu einer hohen Analphabetenquote haben, wundere ich mich immer wieder über die vielen Schilder mit den vollausformulierten Regelungen unter Strafandrohungen.
Im Autoverkehr bewege ich mich permanent lesend fort, statt Schilder mit Piktogrammen visuell aufzunehmen, wird hier alles ausgeschrieben. Kein Wunder also, wenn einige Bewohner im Knast landen, wie bei solchen Schandtaten.

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Die Belehrung und permanente Erinnerung, was man zu tun hat, geht soweit, dass selbst für gestandene Footballspier der Tampa Bay Buccaneers Wandtafeln im Eingangsbereich aushängen, welche Ausrüstungsgegenstände diese anziehen müssen, oder was als Strafen im Sport geahndet werden. Immerhin wird dieses bildlich unterstützt.

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Es gibt aber auch Dinge – sagen wir es mal so – an denen ich arbeite. 😉
Auch wenn ich bei den deutschen Mitlesern einen Aufschrei der Empörung auslöse, finde ich es in Ordnung, wenn man in bestimmten Situationen, wie einem Saunabesuch, nicht textilfrei auftritt.
Aber in Florida ist es auch vorgeschrieben, weder textilfrei ins Badezimmer zu gehen, noch zu duschen. So this is still work in progress!

Es gibt aber auch weitere skurile Gesetze.

Aber das Verhalten und der Umgang miteinander, so wie ich ihn bisher in den USA erfahren habe, hat schon eine Vorbildfunktion.

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